Virtuelle Server bei Hetzner

Wie ServerManiac berichtete, arbeitet die Hetzner Online AG zur Zeit an einer Plattform für virtuelle Server mit Linux oder Windows. Aktuell findet wohl eine Testphase statt, in der man durch eine E-Mail an vserver@hetzner.de einen Server testen kann.

Aus Interesse habe ich mal einen Server angefordert. Der Server läuft 30 Tage und hat folgende Ausstattung:

Single Core CPU
1 GB RAM
20 GB HDD

Der Server wurde innerhalb von wenigen Minuten durch den Support freigeschaltet.  Bei der Bereitstellung kann zwischen diesen Systemen gewählt werden:

32-Bit: Debian 5.0 min, openSuSE 11.2 min, Ubuntu 10.04 min, CentOS 5.5 min
64-Bit: Debian 5.0 min/LAMP*, openSuSE 11.2 min, Ubuntu 10.04 min, CentOS 5.5 min

Windows Server 2008 R2 Web Edition
Windows Server 2008 R2 Standard Edition

Außerdem gibt es ein Rescue-System das über eine Anfrage an den Support aktiviert werden kann.

Nun aber zu den interessanteren Fakten:

Anbindung/Netzwerk
Der Server hat eine IP aus dem Netz 188.40.7.0/25, das kleine Netz lässt darauf schließen, dass Hetzner wohl erstmal mit wenigen Testern schauen möchte, wie die Server so laufen. Auch der Netzname „Hetzner Online AG – Rechenzentrum Softwareentwicklung“ lässt darauf schließen dass es sich noch um ein eher experimentelles Produkt handelt.

Virtualisierung
Schnell erkennt man, dass es sich nicht um einen branchentypisches Virtuozzo-Setup handelt. Auch openVZ, der Open-Source Ableger von Virtuozzo scheidet aus. Typisch wäre für eine openVZ/Virtuozoo Installation wohl soetwas wie:

~# ifconfig
...
venet0:0 Link encap:UNSPEC Hardware Adresse 00-00-00-00-00-00-00-00-00-00-00-00-00-00-00-00
inet Adresse:83.169.xx.xx P-z-P:83.169.xx.xx Bcast:0.0.0.0 Maske:255.255.255.255
UP BROADCAST PUNKTZUPUNKT RUNNING NOARP MTU:1500 Metrik:1

Außerdem würde man wohl mounts finden die auf die Virtualisierungsplattform hindeuten. Hier noch mal für openVZ/Virtuozzo:

Virtuozzo:
:~# mount
/dev/vzfs on / type reiserfs (rw,usrquota,grpquota)

OpenVZ:
:~# mount
simfs on / type simfs (rw)

Beim Hetzner-Server sieht es aber anders aus, dort gibt es einen ganz normalen mount von /dev/hda2 (nach /boot) und /dev/hda3 (nach /). Auch die Netzwerkkonfiguration deutet nicht auf irgendwelche Virtualisierung hin. Es findet sich ein ganz normale eth0 ohne irgendwelches Gefummel (Ok, die Gateway-Adresse liegt außerhalb vom eigenen Subnet und daher ist noch eine Host-Route auf die Gateway-Adresse gelegt – aber das ist bei Root-Servern ja eigentlich auch so üblich).

Insgesamt also eine sehr erfreuliche und freie Konfiguration, vermutlich kann man sogar den Kernel des Vservers wechseln um z.B. Module wie drbd zu nutzen (nein, drbd auf einem vserver hat nur beschränkt Sinn).
Die Frage die allerdings noch offen bleibt ist, welcher Virtualisierer nun von Hetzner genutzt wird. Eigentlich kommt nur Xen in Frage, ein lspci lieferte mir aber etwas mit dem ich garnicht gerechnet hätte:
Debian-50-lenny-64-minimal:~# lspci
00:00.0 Host bridge: Intel Corporation 440BX/ZX/DX - 82443BX/ZX/DX Host bridge (AGP disabled) (rev 03)
00:07.0 ISA bridge: Intel Corporation 82371AB/EB/MB PIIX4 ISA (rev 01)
00:07.1 IDE interface: Intel Corporation 82371AB/EB/MB PIIX4 IDE (rev 01)
00:07.3 Bridge: Intel Corporation 82371AB/EB/MB PIIX4 ACPI (rev 02)
00:08.0 VGA compatible controller: Microsoft Corporation Device 5353
00:0a.0 Ethernet controller: Digital Equipment Corporation DECchip 21140 [FasterNet] (rev 20)

Und genau das scheint wohl typisch für Microsoft Windows Hyper-V zu sein. Gestützt wird diese These dadurch, dass ein nmap -sP 188.40.7.42/25 vom virtuellen Server aus nur fortlaufende Mac-Adressen liefert, die als Vendor „Microsoft“ haben:
Host static.xx.7.40.188.clients.your-server.de (188.40.7.xx) appears to be up.
MAC Address: 00:1D:D8:00:00:5A (Microsoft)

Hardware
Für mich persönlich nicht so interessant, aber vielleicht will ja jemand wissen welche Hardware da zum Einsatz kommt.
Debian-50-lenny-64-minimal:~# cat /proc/cpuinfo
processor : 0
vendor_id : GenuineIntel
cpu family : 6
model : 26
model name : Intel(R) Core(TM) i7 CPU 920 @ 2.67GHz
stepping : 5
cpu MHz : 2672.501
cache size : 8192 KB
physical id : 0
siblings : 1
core id : 0
cpu cores : 1
apicid : 0
initial apicid : 0
fpu : yes
fpu_exception : yes
cpuid level : 11
wp : yes
flags : fpu vme de pse tsc msr pae mce cx8 apic sep mtrr pge mca cmov pat pse36 clflush mmx fxsr sse sse2 ss ht syscall nx lm constant_tsc up rep_good pni ssse3 cx16 sse4_1 sse4_2 popcnt lahf_lm
bogomips : 5407.19
clflush size : 64
cache_alignment : 64
address sizes : 36 bits physical, 48 bits virtual
power management:

Fazit
Hetzner steigt erst sehr spät in den Markt der virtuellen Server ein, andere Anbieter bieten bereits seit ca. 10 Jahren virtuelle Server an. Interessant ist meiner Meinung nach, dass sich in letzter Zeit der Markt für virtuelle Server doch gewandelt hat. Früher war ein virtueller Server noch ein besserer Webspace, vielleicht konnte man auch noch einen Voiceserver oder die ein order anderen IRC-Services laufen lassen. Für alles was darüber hinaus ging war ein virtueller Server eigentlich nicht zu gebrauchen, zuviele Fehlerquellen, zuwenig Zugriff und nicht genug Leistung. Mittlerweile geht der Trend aber eher zum virtuellen Server als Ersatz für einen dedizierten Server. Man hat erkannt, dass virtuelle Server eigentlich viel weniger fehleranfällig und wesentlich flexibler sind als Dedizierte.

  • Neuinstallation per Klick, ohne fehleranfällige (PXE-)Netzwerkinstallation o.ä.
  • Backups per Klick – der komplette Server kann binnen Sekunden durch einen Snapshot gesichert werden, bei Bedarf kann dieser Zustand binnen Sekunden wieder hergestellt werden
  • Bessere Skalierbarkeit – Reicht die Hardware nicht mehr, kann eine Live-Migration – nahezu ohne Ausfall – auf stärke Hardware durchgeführt werden!

Hetzner scheint mit Hyper-V auf genau diese Schiene zu setzen. Während Virtuozzo und openVZ noch aus einer Zeit kommen, in der man virtuelle Server wie oben erwähnt als besseren Webspace genutzt hat, kommt Xen bzw. Microsofts Antwort Hyper-V aus einer Zeit in der es um Konsolidierung der Systeme und Verlagerung von Diensten in die Cloud geht. Viele Etablierte (darunter zum Beispiel domainfactory und rackspace) haben sich früher die Hände nicht mit virtuellen Servern schmutzig gemacht. Mittlerweile werden jedoch richtige Alternativen zu Rootservern als Cloud-Produkte von immer mehr professionellen Hostern angeboten. Domainfactory hat dafür als eigenständige Marke jiffybox.de aufgezogen – ein Interessantes Produkt das aber technologisch meiner Meinung nach nichts weltbewegendes ist. Ich kann mir vorstellen das Hetzner ein ähnliches Produkt (nicht unbedingt bezogen auf so etwas wie sekundengenaue Abrechnung sondern eher auf zugesicherte Leistung on Demand) auf seiner neuen Plattform aufziehen möchte. Anders als bei Domainfactoy sieht es aber bei Hetzner zur Zeit so aus, dass vermutlich auch Windows-Server direkt mit angeboten werden können.

Ein Gedanke zu „Virtuelle Server bei Hetzner

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