JiffyBox: Mein Test

Ich habe mich mal mit JiffyBox von domainFactory auseinandergesetzt.

Erster Eindruck

Dafür, dass das Produkt erst seit wenigen Monaten am Markt ist, wirkt die Administration schon sehr gelungen und stabil. Das Admin-Panel sieht bis auf ein paar Detailfehler (die Texte in den Header-Leisten sind nicht sauber vertikal zentriert) im Design unter Safari auch sehr schön aus, unter Firefox tritt das Problem nicht auf. Außerdem sieht es in Safari so aus, als würde die Seite ewig laden, das wirkt erstmal etwas irritierend. Unter Firefox tritt aber auch dieses Problem nicht auf. Aber wie gesagt, das sind Detailfehler und die beeinträchtigen nun wirklich nicht die Benutzung, höchstens den perfektionistischen Anspruch von domainFactory.

Für meinen Test habe ich Ubuntu 10.04 LTS 64bit gewählt. Bei der Betriebssystemwahl wirkte der angegebene Speicher hinter dem Namen des Betriebssystems (1 GB oder 512 MB) für mich etwas befremdlich. Ich dachte zunächst, damit wäre gemeint wieviel Platz das Betriebssystem in Anspruch nimmt. Was tatsächlich gemeint war, war dann der Speicher für die SWAP-Partition. Der erste Start verlief dann absolut problemfrei, da gibt es absolut nichts zu meckern. Auch die Informationen während des Starts sind “cool”, man wird nämlich ziemlich live über ein “jQuery-Growl” (ich glaube die setzen keins der dort vorgestellten Plugins dafür ein) informiert was der Server gerade tut. Leider sind diese Informationen beim ersten Start teilweise so schnell wieder ausgeblendet, dass man garnicht alles lesen konnte. Gefühlt ist der Server außerdem sehr schnell.

General error mounting filesystems.

Eine weitere Kinderkrankheit die mir aufgefallen ist: Unter Profile kann man das Profil des Servers verändern, das dürfte in etwa der Xen-Konfiguration eines Servers entsprechen. Dort kann man auch den Kernel auswählen, mit dem der Server gestartet werden soll. Dazu gibt es dann ein “Mehr Informationen”, das auf diese Seite im Wiki verweist. Dort steht dann, dass man die Xen-Kernel den PV-Kerneln aufgrund von höherer Geschwindigkeit vorziehen soll. Standardmäßig ausgewählt ist aber der PV Kernel und wenn man auf den Xen-Kernel wechselt bootet der Server nicht mehr (Fehler: General error mounting filesystems), merkwürdig. Vermutlich einfach nur ein kleiner Fehler im Wiki der aber den Eindruck etwas trübt. Sehr hilfreich ist in diesem Fall übrigens die Rettungskonsole gewesen, die einem Live die Konsole des Servers anzeigt, super Sache!

Private IP Adressen

Nun ein weiterer Kritikpunkt, private IP Adressen… das ist fast eine Glaubensfrage!
Sicher ist es schön interne Adressen nutzen zu können und manchmal sicher auch sinnvoll. Allerdings finde ich das im Fall von JiffyBox etwas gefährlich. Als ahnungsloser Kunde könnte man ja vielleicht auf die Idee kommen, dass der Adressbereich “intern” in Bezug auf den einen Kunden ist und Dienste wie z.B. einen Proxy offen anbieten. Das ist aber offensichtlich nicht der Fall. Das zur Verfügung gestellte Netz ist nämlich offen für alle Kunden und jeder Kunde erhält eine IP Adresse aus diesem Netz. Im Grunde muss man also die IP Adressen genau so schützen wie die externe auch, damit führt man aber die internen Adressen ad absurdum und könnte direkt die externe IP nutzen und mittels iptables schützen. Da muss man dann allerdings mit dem Traffic aufpassen, so wie es aussieht wird der nämlich berechnet, sobald man die externe Adresse nutzt.

Dabei wäre es mit Sicherheit ein Leichtes das zu ändern (indem man den Traffic erst am Router erfasst oder eigene IP Adressen als Ziel bzw. Quelle vom Accouting ausschließt). Ein nmap über das Netz lieferte allerdings nur 11 erreichbare Server (inklusive meinem Testsystem), das Angebot wird wohl nicht so intensiv genutzt, ist auch nicht bei Auslieferung konfiguriert.

Grundsätzlich schlecht sind interne IP Adressen nun allerdings auch wieder nicht, aber vielleicht wären es auch machbar die Netze jeweils Kundenweise automatisiert abzuschotten (z.B. als Firewall auf dem Hostsystem) um die Netze wirklich wie ein geschlossenes LAN nutzbar zu machen?

Backups und Statistiken

Gut, die Backups und die Statistiken sind wirklich schön! Außerdem gefällt es mir, dass man komplette Backups auch als tarball runterladen kann und im Prinzip bei einem anderen Anbieter wieder nutzen kann. Für den professionellen Einsatz wäre es noch schön sowas auch via API machen zu können, damit könnte man dann auch externe Backups realisieren. Löblich ist übrigens, dass per Default tägliche und wöchentliche Backups konfiguriert sind! Die API habe ich mir bisher nur über die Dokumentation angesehen, das sieht allerdings sehr vielversprechend aus.

Transparenz

Interessant finde ich die Angabe des Hostsystems in der JiffyBox-Übersicht, das lässt auf Transparenz hoffen. Darüber könnte man bei mehreren JiffyBoxen erkennen, ob diese auf dem gleichen System liegen oder nicht.
Was da für den professionellen Einsatz vielleicht noch interessant wäre, wäre einsehen zu können, welche Infrastruktur meine verschiedenen JiffyBoxen nutzen. Möchte ich z.B. eine Art Hochverfügbarkeit über JiffyBox erreichen, ist durchaus interessant welche Strom- und Netzwerkfeeds von den Hostsystemen genutzt werden und ob diese unabhängig von einander sind. Das könnte man z.B. über eine nette Grafik darstellen und dem Kunden als Option anbieten als Allokationsziel die höchste Gesamtverfügbarkeit anzustreben.

Das Forum, die Statusseite und das Wiki dürfen natürlich hier nicht fehlen. Leider erlaubt das Wiki keinen Schreibzugriff und für das Forum muss man sich getrennt anmelden. Ein stärker in das Control-Panel integriertes Forum wäre sicher wünschenswert für ein noch direkteres Feedback. Nicht ganz klar ist mir allerdings, wieso gerade das Wiki beharrlich auf eine SSL-Verbindung besteht, schlimm ist das allerdings nicht, eher im Gegenteil.

Weiterführende Ideen

Wenn man den Gedanken weiter spinnt, könnte domainFactory darauf aufbauend auch fertiges Setups für hochverfügbare Webserver anbieten, die per Klick über mehrere Server installierbar sind und am Ende Zugangsdaten zu fertig konfigurierter Datenbank und einen per SFTP nutzbaren Webserver anzeigen. Wenn man dann Abends zusätzliche Webserver haben möchte, kann man diese dann per Klick hinzubuchen.
Denkbar wäre auch, dass der Loadbalancer für den Spaß von domainFactory selbst zur Verfügung gestellt wird und auf Basis der aktuellen Anfragen dynamisch Webnodes hinzugebucht werden oder abgeschaltet werden. Das wäre dann ein super Cloud-Setup das die Möglichkeiten von JiffyBox meiner Meinung nach optimal nutzt. IP Adressen zwischen den virtuellen Instanzen hin und her verschieben zu können wäre dafür allerdings wohl auch nötig (z.B. für File- oder Datenbankserver). Ob das zur Zeit unterstützt wird kann ich nicht sagen. Damit würde JiffyBox aber meiner Meinung nach auch in den Himmel der “richtigen” Clouds aufsteigen.

JiffyBox als Alternative zu virtuellen Servern?

Die JiffyBox wie einen gewöhnlichen virtuellen Server oder als Testbereich für irgendwas zu nutzen finde ich eigentlich etwas unwürdig, damit würde man nämlich diverse Möglichkeiten brachliegen lassen. Nichts desto trotz ist JiffyBox mit Xen eine gute Alternative zum gewöhnlichen Virtuozzo Server der Massenhoster, der durch die Hoster an allen Ecken und Enden beschnitten wird.

Kosten

Die Kosten für Rechenleistung und Plattenplatz werden nicht nach Nutzung sondern nach Zeit abgerechnet und sind sehr günstig. Vermutlich um damit auch die Nutzer anzusprechen zu können, die sonst woanders einen virtuellen Server mieten würden.
Der Traffic ist in Zeiten der Flatrates für alles allerdings eher teurer und für Downloads, Videostreams oder ähnliches daher nur bedingt geeignet. Bei größeren Abnahmemengen dürfte domainFactory da allerdings eher verhandlungsbereit sein. Der Preis je TB Traffic dürfte im Einkauf für domainFactory vermutlich unter 10€ liegen, auf jeden Fall aber unter 20€. Der aktuelle Preis von 12ct je GB liegt hochgerechnet bei etwa 120€ je TB. Vielleicht bietet ja domainFactory demnächst mal Traffic-Pakete an, z.B. 100 GB für 5€, 500 GB für 20€ – damit wäre man dann wieder im Rennen.

Fazit

Ich könnte mir durchaus vorstellen in Zukunft auch Projekte über eine Plattform wie JiffyBox abzuwickeln. Das Konzept überzeugt mich und die Möglichkeiten die das Produkt schon jetzt anbietet sind super.

Chancen

Ich glaube JiffyBox hat gute Chancen sich am Markt zu etablieren, das setzt allerdings voraus, dass domainFactory weiter Entwickler dafür abstellt und stets neue Features reinpumpt, ansonsten stirbt das Produkt vermutlich bevor es richtig interessant wird.
Möglicherweise könnte domainFactory auch auf die Idee kommen, das bisherige Webhosting in JiffyBox umzuziehen und damit den eigenen Serverpark zu konsolidieren. Das wäre ein Vertrauensbeweis! Ein paar Web 2.0 Referenzen wären außerdem auch interessant, gerade für die wäre das Angebot nämlich interessant, da wird sich der Vertrieb wohl bemühen müssen ;-).

Beta-Coolneess?

Interessanter Weise findet sich im alt-Tag des Logos auch noch der Hinweis auf die Beta-Version:
<a href="/index.php">
<img src="/images/logo_jiffybox.png" id="jb_logo_top" alt="JiffyBox CloudServer On Demand [beta]">
</a>

Eigentlich schade, dass JiffyBox ganz im Web-2.0-Stil nicht immer noch Beta ist.

Update: Auf status.jiffybox.de wird als Logo auch noch das Bild mit dem Beta-Hinweis genutzt.

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